Seite 3 von 5 ErsteErste 12345 LetzteLetzte
Ergebnis 41 bis 60 von 98

Thema: Chihuahua 19

  1. #41
    Cheeseburger in Paradise Avatar von Chris
    Registriert seit
    26.12.12
    Beiträge
    986
    Funkenflug

    Der Tag war noch lange nicht zuende ... wir waren am frühen Nachmittag zurück in Terlingua. Da müsste die Zeit noch reichen doch noch auf einen Sprung in den Park zu fahren.
    Schnell nachgetankt und weiter in den Big Bend National Park. Für die Old Ore Road reicht die Zeit nicht, aber die Old Maverik Road (sandig) zum Santa Elena Canyon und die Asphaltstrecke wieder zurück müsste einigermassen bequem drin liegen.

    Standardstrecke, aber kurzweiliger als nichts tun. Kurzer Stop an der Luna Jacal, so wie ich es der Schautafel entnommen habe eine ehemalige Schafhirtenschutzhütte




    Kurz zum POI eingedreht, im Hintergrund sieht man schon den Einschnitt vom Santa Elena Canyon


    Luna Jacal



    Old Maverick Road

    Der Santa Elena Canyon ist einer von drei Canyons im Park wo sich der Rio Grande durch den Felsen schnitt. Genauer gesagt ein Halber von drei halben Canyons im Park, denn der Rio Grande bildet den Grenzverlauf zwischen USA und Mexico. Deshalb liegen die jeweils südlichen Hälften der Canyons ausserhalb des Parks.

    Der Santa Elena Canyon ist möglicherweise der schönste der drei Canyons, ich habe allerdings einen davon noch nie in Natura gesehen, der Mariscal Canyon - nur über eine rauhe Piste zu erreichen. Ist aber auf der to-do-Liste für zukünftige Trips in den Park mit dem Mopped.

    Der Santa Elena Canyon kommt näher ... :



    Die letzen Meter geht es zu Fuss an den Strand vom Rio Grande:





    Links ist Mexico, rechts USA

    Von dort dann gemütlich auf dem Ross Maxwell Scenic Drive (für die Ortskundigen, das ist die normale asphaltierte Stichstrasse zum Santa Elena Canyon) zurück Richtung Terlingua.

    Die Luft ist aber sehr trocken – ausserdem ist es sehr heiss, vielleicht sollte ich einen schnellen Stop am Castolon Visitor Center einlegen, genauer gesagt am angeschlossenen General Store um noch ein schnelles Kaltgetränk für den sofortigen Verzehr zu erwerben. Ich kenne die Öffnungszeiten nicht auswendig, aber es ist 16:53 Uhr! Als berechtigte Arbeitshyphotese kann man annehmen dass der Shop möglicherweise um fünf Uhr schliesst ... sieben Minuten Zeit und war ich nicht eben noch an einem Schild ‘7 Meilen‘ bis Castolon vorbeigefahren?! Nun aber hurtig, rein rechnerisch muss ich 60 mph fahren um noch vorm zuschnappen des Verschlussbolzens schnell den Fuss in die Ladentür zu stellen ... .

    Die Parkleitung möchte übrigens gerne dass wir im Park nur maximal 45 mph fahren ... das dachte sich auch ein PKW Fahrer der vor mir mit 42,5 mph auf der kurvigen Strecke daher schlich ... das Überholen war bei Kurven und Gegenverkehr nicht einfach ... .

    Punkt fünf knatter ich nach nicht weiter zu erwähnenden Fahrmanövern beim General Store auf den Hof. Dort war der Rummel los ... die Schulklasse vom Vortag war auch da und hatte alles in Beschlag. Da die Riesentruppe mit Privatfahrzeugen der Eltern angereist war gab es beinahe nicht mal einen Parkplatz fürs Mopped. Irgendwo konnte ich mich dann doch noch wo dazwischen quetschen.

    Der Laden - der tatsächlich um 17:00 Uhr schliesst – war noch geöffnet, aber geplündert ... . Konnte noch schnell ein Gatorate greifen – mag ich eigentlich nicht so sehr aber in so einem Fall ist man nicht wählerisch ... .

    Der Laden selbst ist sehr sehenswert, das Gebäude ist authentisch - 1902 im Adobe Stil gebaut aus den alten Tagen als Castolon ein Trading Post gewesen ist, der Handel aller Art pflegte - legal und auch nicht so legal. Der Handel war auch grenzübergreifend ins benachbarte Mexico – der Norden der mexikanischen Provinzen Cohuila und Chihuahua waren seinerzeit faktisch Teil des texanischen Wirtschaftsraums – es gab hier nie einen Zaun oder eine Mauer - und hoffentlich wirds auch in der Zukunft keine geben!

    Draussen vor dem Gebäude ist ein Sonnenschutz aus Zuckerrohr, der dem Klientel Schatten spendet und dort hab ich dann auch mein Gatorade getrunken. Mit einer der Mütter der Schulklasse kam ich ins Gespräch, da sie eine Austauschschülerin aus der Schweiz dabei hatte. Es gab ein kurzes Schwätzchen bis die gesamte Truppe aufsattelte und weiter zog ... ah – diese Ruhe ... .

    Plötzlich rollte dann auch noch der weisse Jaguar vom Vortag auf den Vorplatz ... fragte dann auch gleich – wieder in gebrochenem Englisch – wo ich das Gatorate her habe ... ! – Ja, der Laden war nun geschlossen ... ...

    Hier ein paar wenige Fotos vom Castolon Store - innen wie aussen:



    die Holzkabine hinten ist das alte Postamt (zum Zeitpunkt der Aufnahme nicht mehr in Betrieb)



    eine alte Zapfsäule



    das Sonnendach aus Zuckerrohr spendete Schatten für die Besucher

    Hier kommt nun der wirklich traurige Teil der Geschichte, ... das Gebäude ist im drauffolgenden Monat bis auf die Mauern niedergebrannt
    Ein Wildfeuer, das auf der mexikanischen Seite begann ist durch Funkenflug über den Fluss geschlagen und hatte genau das Sonnendach aus dem trockenen Rohr entzündet was dann in Folge das ganze Gebäude in Flammen aufgehen lies.
    Teile der historischen Einrichtung und Gegenstände konnten noch gerettet werden – aber Innenleben und Dach sind weg und es wird im Moment geprüft ob die Mauern für einen Wiederaufbau taugen.


    Weiter gehts vorbei an einer der Vorzeige-Attraktionen des Parks, dem Aussichtspunkt für die sogenannten ‘Mule Ears‘


    Eselsohren

    Zurück in Terlingua, kehre ich noch bei Bob und den anderen auf dem Campingplatz ein, um dort den Tag ausklingen zu lassen.




    Was hier wie ein kantiger Wohnwagen aussieht ist ein sogenannter ‘Toy-Hauler‘, kannte ich bislang auch noch nicht.
    Vorne wie ein normaler Wohnwagen, war der hintere Teil mit einer Laderampe versehen, wo bis zu drei Motorräder Platz finden:



    Wenn die Moppeds dann draussen sind kann man elektrisch vom Dach noch ein weiteres Bett runterlassen:


    praktisch ...!

    das Ründchen vom Nachmittag:

    https://kurv.gr/yMfCc

  2. #42
    Kanadier Avatar von Kali
    Registriert seit
    11.12.12
    Ort
    Kurz vor Holland
    Beiträge
    7.259
    Hallo Chris,
    diese sogenannten "Toy-Hauler" sind hier vor ein paar Jahren auf der Messe in Düsseldorf auch vorgestellt worden.
    Sind aber nicht so richtig bekannt geworden.
    Werden auch, wenn überhaupt, nur von "richtigen" Crossern, die mit diesen dann zu Wettbewerben fahren, geordert.
    Liegt vielleicht auch ein bisschen daran das sich die Gerüche der Flüßigkeiten vom Bike im ganzen Wohnwagen verteilen.
    Na ja, nicht jeder hat "Benzin im Blut"gern.
    Gruß Kali

    2001 2007 2012 2017


  3. #43
    FC-Aarau-Fan Avatar von man-of-aran
    Registriert seit
    26.12.12
    Ort
    Seon / Aargau / Schweiz
    Beiträge
    1.416
    Ein spannender Tag!

    Ich finde die Bilder der Schlucht recht spektakulär! Und auch der Toy-Hauler... nicht jedermann's Sache, aber schön zu sehen, was es da alles an Erfindungen gibt. Ich finde nur schon die Slide-Out-Technologie bei RV's und Wohnwägen witzig.

  4. #44
    Amerika-Virus infiziert Avatar von pietja
    Registriert seit
    12.12.12
    Ort
    Rheinländerin
    Beiträge
    5.356
    Schade um die Trading Post.....Die Schlucht ist schon ziemlich beeindruckend.
    Natürlich bin ich weiterhin gespannt dabei.

  5. #45
    Fotografin+Arch-Liebhaber Avatar von Vorfreude
    Registriert seit
    12.12.12
    Ort
    An der schönen Bergstraße
    Beiträge
    6.675
    Zitat Zitat von Chris Beitrag anzeigen

    Hier kommt nun der wirklich traurige Teil der Geschichte, ... das Gebäude ist im drauffolgenden Monat bis auf die Mauern niedergebrannt
    Ein Wildfeuer, das auf der mexikanischen Seite begann ist durch Funkenflug über den Fluss geschlagen und hatte genau das Sonnendach aus dem trockenen Rohr entzündet was dann in Folge das ganze Gebäude in Flammen aufgehen lies.
    Teile der historischen Einrichtung und Gegenstände konnten noch gerettet werden – aber Innenleben und Dach sind weg und es wird im Moment geprüft ob die Mauern für einen Wiederaufbau taugen.
    Tsja, hätten wir jetzt die Mauer schon gehabt......


    Sehr schöner Park. Ich muss umbedingt meine texanischen Freunde dort besuchen. Die haben innerhalb des Parkes wohl ein Stück Land. Wirklich nett!



    Was hier wie ein kantiger Wohnwagen aussieht ist ein sogenannter ‘Toy-Hauler‘, kannte ich bislang auch noch nicht.
    Vorne wie ein normaler Wohnwagen, war der hintere Teil mit einer Laderampe versehen, wo bis zu drei Motorräder Platz finden:
    Was, Du bist schon so lange da drübern und hast das noch nicht gekannt?

    Wir haben 2009 unseren ersten gesehen - und zwar noch eine Nummer größer. Da konnte man einen Slide Out komplett nach hinten die die Garage rein fahren.
    Best regards,
    Stefanie

    Das Colorado-Plateau mit "Recreation Vehicle" und 3 Kindern (2009)
    2715 Meilen von Chicago nach New York (2011)
    Formen und Farben des Südwesten (2011 - In 6 Wochen von Las Vegas über Yellowstone NP nach Denver)
    Die Canyon-Abenteuer-Tour (2014 )
    Flexibel durch den (Süd-)Westen (2016, LA - LV - Yellowstone - Denver)



    "Nur, wo Du zu Fuß warst, bist Du auch wirklich gewesen" (J. W. v. Goethe)










  6. #46
    Cheeseburger in Paradise Avatar von Chris
    Registriert seit
    26.12.12
    Beiträge
    986
    schoen dass noch einige dabei sind ...

    Zitat Zitat von Vorfreude Beitrag anzeigen
    Sehr schöner Park. Ich muss umbedingt meine texanischen Freunde dort besuchen. Die haben innerhalb des Parkes wohl ein Stück Land. Wirklich nett!
    der Big Bend ist ein herrlicher Park und wird einfach von vielen unterschaetzt - gerade auch in seiner Vielfaeltigkeit ...


    Zitat Zitat von Vorfreude Beitrag anzeigen
    Was, Du bist schon so lange da drübern und hast das noch nicht gekannt?
    ich schaue ja nicht bei fremden Leuten in den Wohnwagen rein … (if the camper is rockin' don't come knockin' …)

  7. #47
    Amerikaner
    Registriert seit
    10.04.14
    Ort
    Österreich
    Beiträge
    1.045
    Bin auch noch dabei Hab im Moment halt wenig Zeit für Kommentare. Lese aber begeistert mit, da ich den Big Bend NP in bester Erinnerung habe. Ich war damals erstaunt wie leicht man dort die Grenze überqueren kann. Wir sahen Mexikaner mit Pferden und Booten wie sie zwischen den Ländern hin und her wechseln.
    LG
    Travelina

  8. #48
    Slot Canyon Addict Avatar von Ilona
    Registriert seit
    25.06.14
    Ort
    Kraichgau
    Beiträge
    2.917
    Ich frage mich, wann die Schlucht "zugemauert" wird, wenn die Mexikaner dort so einfach über die Grenze können.

    Das kann doch keinesfalls im Sinne vom Blondschopf sein.
    Liebe Grüße

    Ilona

    "Man muss viel laufen. Da man, was man nicht mit dem Kleingeld von Schritten bezahlt hat, nicht gesehen hat" (Erich Kästner)


  9. #49
    Fotografin+Arch-Liebhaber Avatar von Vorfreude
    Registriert seit
    12.12.12
    Ort
    An der schönen Bergstraße
    Beiträge
    6.675
    Zitat Zitat von Chris Beitrag anzeigen
    ich schaue ja nicht bei fremden Leuten in den Wohnwagen rein … (if the camper is rockin' don't come knockin' …)
    Auch dabei gibt es Poser
    Best regards,
    Stefanie

    Das Colorado-Plateau mit "Recreation Vehicle" und 3 Kindern (2009)
    2715 Meilen von Chicago nach New York (2011)
    Formen und Farben des Südwesten (2011 - In 6 Wochen von Las Vegas über Yellowstone NP nach Denver)
    Die Canyon-Abenteuer-Tour (2014 )
    Flexibel durch den (Süd-)Westen (2016, LA - LV - Yellowstone - Denver)



    "Nur, wo Du zu Fuß warst, bist Du auch wirklich gewesen" (J. W. v. Goethe)










  10. #50
    Cheeseburger in Paradise Avatar von Chris
    Registriert seit
    26.12.12
    Beiträge
    986
    ¡Ciudad de México - Tenemos un Problema!

    Heute war eigentlich viel Zeit ... Treffpunkt mit der Truppe war zwischen 15:30 und 17:30 an der letzten Tankstelle vor der Grenze. Das sind runde 65 Meilen von hier, also kein grosser Deal. Ich habe viel Zeit! Ausserdem ist die Strecke zwischen Terlingua und Presidio, TX unter Motorradfahrern bekannt als die beste Strecke in ganz Texas. Landschaftlich ein Leckerbissen, gut asphaltiert, kurvig ohne Ende und als Zusatzbonbon auch noch mit steilen Passagen auf und ab. In manchen Kreisen auch als die ‘Achterbahn‘ betitelt.

    Aber bis dahin ist noch viel Zeit ... erst mal eine Runde frühstücken. Tanken brauche ich noch nicht, das geschieht kurz vor der Grenze noch bis zum Stehkragen. Also brauche ich auch nicht an der Tanke vom Vortag zu frühstücken und kann endlich mal ‘Espresso Y Poco Mas‘, das neue Café oben neben dem General Store ausprobieren (vgl. Kapitel ‘the Porch‘).

    Gesagt getan, es gab ein ordentliches Frühstück und auch guten Kaffee. Die Wartezeit war etwas lang, aber ich hatte ja Zeit. Überraschend gab es auch schnelles, umsonstes WiFi – hier in dieser Gegend wo es oft keinen einfachen Internetzugang gibt. Eigentlich war der ganze Betrieb auch zu sauber und zu reibungslos für Terlingua, aber die Zivilisation scheint auch hier Einzug zu halten ... .




    Das Plätzchen war schattig, eine leichte Brise sorgte für angenehme Frische, die Aussicht war fantastisch, ich konnte die Mule Ears sehen und es gab auch genügend Peoplewatching, da ein reger Betrieb von Gästen ein Laufkino der eigenen Art bot. Mit den verschiedenen Tischnachbarn konnte auch das ein oder andere Schwätzchen gehalten werden.

    Irgendwann muss aber auch das perfekteste Frühstück ein Ende haben und man muss weiter ... .

    Ich hatte an den Vortagen schon mal per SMS gefragt wie ich die Truppe überhaupt erkenne.

    Die Antwort:
    “You will know us when you see us“
    Nach der herrlichen FM 170 bis Presidio – Fotos kommen auf dem Rückweg – kam ich mit etwas Zeit so kurz nach 15:00 Uhr an besagter Tankstelle in Presidio, Texas an.

    Yupp – da waren sie auch schon alle, wirklich sehr einfach zu erkennen. War schon eine dämliche Frage, die ich da gestellt hatte.




    Grant, Initiator des Trips ging geradewegs auf mich zu und musterte mein Mopped ... “Wie ... mit dem kleinen Ding willst du mit uns mitfahren ...?“ und schüttelt den Kopf ... er glaube nicht dass das das richtige Gerät sei – zu klein und zu langsam ...!

    Ich schaute mich um. Es war ein weites Feld von grossvolumigen Adventurebikes. Ausser den Boliden aus dem Hause BMW konnte ich noch eine Africa Twin und eine Moto Guzzi Stelvio ausmachen ... .
    Nach ein paar weisen Worten zur Grenzüberquerung an die Allgemeinheit, “Reisepass und Papiere griffbereit und Jacken ausziehen ...“ ging es los ... zum Grenzübertritt ...:




    ... nein erst noch mal zum Duty Free Shop ... die Raucher brauchen natürlich steuerfreie Zigaretten ...

    Nun geht es endlich weiter zum Grenzüber ...

    ... nein, nun mussten einige noch zur letzten Besorgung zum Dollar General Store, eine Ladenkette im amerikanischen Hinterland mit verschiedensten Kurzwaren ... was um alles in der Welt muss da noch eilig gekauft werden ...?!?

    Schlussendlich ging es dann doch zum Grenzübertritt. Ich war eigentlich gut gerüstet; als Deutscher ist die Notwendigkeit eines Reisepasses ja kein fremdes Konzept – Amerikanern muss das oft allerdings noch erklärt werden. Für die Einfuhr des eigenen Fahrzeugs ist es etwas trickreicher. Für den grenznahen Bereich innerhalb Mexicos genügt das Equivalent zum deutschen Fahrzeugschein, für weitreichendere Trips muss auch das Equivalent des Fahrzeugbriefs oder zumindest eine Kopie mitgeführt werden.

    Hier wird es tricky – Texas hat keinen Fahrzeugschein, die Angaben für den Normalbetrieb befinden sich in dem übergrossen Registrierungsaufkleber bei Autos (dies ist etwa das Equivalent des deutschen Kreiswappens im Kennzeichen). Auf den kleinen Motorradkennzeichen ist der Aufkleber so klein dass da kein Platz für Details ist. Ich hatte mir noch kurz vor Abfahrt schnell eine Kopie von dem Schreiben gemacht, das es bei der Zulassung des Moppeds gegeben hatte – nur so für den Fall der Fälle.

    Nach kurzem Durchwinken auf der amerikanischen Seite in Presidio ging es über den Rio Grande nach Ojinaga, Mexico. Fotos vom Übertritt gits keine.
    Dort wurden wir auch alle in separate Buchten gewunken und von den Grenzern überprüft. Reisepass – kein Problem, ... wo geht es hin?

    – “nach Benavides ...“

    - “nach wo ...?“

    - “Benavides“

    - “nie gehört ...!“

    Orte dessen Existenz bezweifelt werden kenne ich bislang nur Bielefeld ... aber hier scheint es einen neuen Fall zu geben ... .

    Da fiel mir ein dass der Ort Benavides auch gelegentlich auf texanischen Enduro Webseiten als ‘San Carlos‘ bezeichnet wird. Vielleicht versuche ich es mal damit?

    - “San Carlos ... „

    - “¡Ah ... San Carlos!“ ... das schien er zu verstehen ...

    ... ich habe das später mal noch recherchiert, San Carlos war der ursprüngliche Name des Ortes und ist 1937 mit vielen anderen Orten in der Region von den kirchlichen Bezeichnungen weg und hin zu Mitstreitern des mexikanischen Bürgerkriegs von 1910 bis 1920 geändert worden. San Carlos ist in dem Zuge zu Manuel Benavides umbenannt worden.

    Die Papiere wollte er dann aber trotzdem noch sehen um die Fahrgestellnummern abzugleichen ... dazu musste ich ihm zeigen wo die Fahrgestellnummer zu finden ist, weiter hat es ihn dann aber nicht interessiert und ich durfte weiter fahren.

    Sammelpunkt war hinter‘m Zaun.




    So nach und nach kamen alle raus, aber am Ende fehlten noch 4 Leute ... . Einige hatten Sena Interkom und hatten Sprechverbindung untereinander im Helm. Da konnte nachgefragt werden.




    Der Sachverhalt war– und man konnte es fast ahnen - die fehlende Kopie von der Zulassung. Die Grenzbeamten sagten ohne dem gebe es keinen Einlass nach Mexico – ausser sie würden ein Auge zudrücken, aber das koste dann 200 Dollar pro Person und Auge ... . Gut dass sie nicht beide Augen zudrücken müssen ... .

    Grant, intimer Kenner der Korrup... – moment, keine K-Wörter mehr hinter der Grenze (und davon gibt es hier in der Region mehrere) – also intimer Kenner der lokalen Bürokratie sagte er fährt mal schnell gegen die Richtung zurück und wolle es auf 100 Dollar pro Person runterhandeln.

    Aber es kam ein weiterer Einwand von einem unserer Mitfahrer. Er war gebürtiger Mexikaner und sein Vater bekleidet ein hohes Amt bei einer Bundesbehörde in Mexico City. Da hat er mal schnell angerufen ... “Mexico City – we have a problem ... “ ... .
    Dieser hatte dann schnell per Telefon die gesamte Grenzstation strammstehen lassen und zwei Minuten später wurden auch unsere fehlenden 4 Freunde mit einem freundlichen Schulterklopfen ins Land gelassen ... .



    der Pico-Bär wartet geduldig

    Erster Stop im Land ist dann der grosse Supermercado in Ojinaga, um ein paar Besorgungen zu machen. Was ist es bloss mit dem ganzen Shoppen – ich dachte auf Männertrips wird nicht geshoppt ...!?



    Dort auf dem Parkplatz konnte ich mich erstmal der Mannschaft vorstellen, denn ich kannte ja eigentlich niemanden.

    Einige sagten: “Oh ... wir haben schon im Big Bend von dir gehört ...“

    - “ähm ... was ...?!“

    - “ja, gestern im Big Bend Park bei den Hot Springs hat man uns schon von dir erzählt ... die schwedische Familie hat uns von einem Chris berichtet der auch ein BMW Motorrad habe ... .“

    - “was für eine schwedische Familie ...? Ich kenne keine schwedische Familie ...“. Ich bin auf diesem Trip auch gar nicht an den Hot Springs gewesen ... . Da muss ich noch eine Weile drüber grübeln ... .

    So langsam kamen alle aus dem Supermarkt wieder hervor. Grant hatte Tequila in grossen Plastik-Kanistern gekauft und noch vor Ort expeditionsgerecht in einen weissen 1.75 Galonen Rotopax Pack umgefüllt ... das sind über sechs einhalb Liter. Da sprechen wir nochmal drüber ... .

    https://rotopax.com/175-gallon-water.html

    Zusätzlich habe ich mich noch etwas nützlich gemacht und habe ein paar Dollar für das lokale rote Kreuz gespendet. Da kriegt man in Latein Amerika im Gegenzug oft einen Aufkleber. Diese Aufkleber helfen Milde zu stimmen bei Kontrollen aller Art (noch so ein K-Wort) ... . Ich kenne das noch aus den alten Tagen als ich mit meinem VW Bus durch Mittelamerika bin. Da klebten immer diverse Aufkleber vorne links auf der Scheibe.



    salvar una vida

    Die Strecke bis jetzt:
    https://kurv.gr/U2opw


    Weiter gehts in Richtung Benavides ... .

  11. #51
    FC-Aarau-Fan Avatar von man-of-aran
    Registriert seit
    26.12.12
    Ort
    Seon / Aargau / Schweiz
    Beiträge
    1.416
    Unglaublich, diese Einreisegeschichte. Also sind alle Gerüchte wahr...

    Bin ja mal gespannt, wie der Tequila weggehaut wird.

    Und ob deine Maschine sich wirklich als zu klein erweisen wird.

  12. #52
    Kanadier Avatar von Kali
    Registriert seit
    11.12.12
    Ort
    Kurz vor Holland
    Beiträge
    7.259
    Hallo Chris,
    du verstehst es die Spannung immer hoch zu halten.
    Moped zu klein hab ich so auch noch nicht gehört, wenn dann wird meistens von"etwas schwach auf der Brust" geredet.
    Gruß Kali

    2001 2007 2012 2017


  13. #53
    Amerikaner
    Registriert seit
    10.04.14
    Ort
    Österreich
    Beiträge
    1.045
    Täusche ich mich oder ist das kein reiner Männertrip? Ich dachte ich hätte ein Mädel entdeckt...mit etwas längeren Haaren von hinten. Ich denke in Texas gibt es kaum Männer mit langen Haaren....das ist dort unpassend.
    LG
    Travelina

  14. #54
    Kanadier Avatar von Kali
    Registriert seit
    11.12.12
    Ort
    Kurz vor Holland
    Beiträge
    7.259
    Hallo Traveline,
    ja du siehst richtig!
    Schau mal Beitrag 30
    Gruß Kali

    2001 2007 2012 2017


  15. #55
    Fotografin+Arch-Liebhaber Avatar von Vorfreude
    Registriert seit
    12.12.12
    Ort
    An der schönen Bergstraße
    Beiträge
    6.675
    Zu groß, zu klein..... tsja mal wieder ein Beweis für unseren Einstein seine Relativitätstheorie......

    Die Grenzgeschichte ist klasse. Sowas kenne ich noch von unseren Hilfstransporten. Das ist live!

    Uns Gott und die Welt kennt Chris - oder zumindest die Schweden....

    Gesendet von meinem SM-G965F mit Tapatalk
    Best regards,
    Stefanie

    Das Colorado-Plateau mit "Recreation Vehicle" und 3 Kindern (2009)
    2715 Meilen von Chicago nach New York (2011)
    Formen und Farben des Südwesten (2011 - In 6 Wochen von Las Vegas über Yellowstone NP nach Denver)
    Die Canyon-Abenteuer-Tour (2014 )
    Flexibel durch den (Süd-)Westen (2016, LA - LV - Yellowstone - Denver)



    "Nur, wo Du zu Fuß warst, bist Du auch wirklich gewesen" (J. W. v. Goethe)










  16. #56
    Cheeseburger in Paradise Avatar von Chris
    Registriert seit
    26.12.12
    Beiträge
    986
    Zitat Zitat von Kali Beitrag anzeigen
    Hallo Traveline,
    ja du siehst richtig!
    Schau mal Beitrag 30
    Kali - das war eine andere Truppe ...

    Zitat Zitat von Travelina Beitrag anzeigen
    Ich dachte ich hätte ein Mädel entdeckt...mit etwas längeren Haaren von hinten. Ich denke in Texas gibt es kaum Männer mit langen Haaren....das ist dort unpassend.
    das ist tatsaechlich ein Maennerzopf …


    Zitat Zitat von Vorfreude Beitrag anzeigen
    Uns Gott und die Welt kennt Chris - oder zumindest die Schweden....
    warten wir mal ab wie sich die Geschichte entwickelt ...

  17. #57
    Slot Canyon Addict Avatar von Ilona
    Registriert seit
    25.06.14
    Ort
    Kraichgau
    Beiträge
    2.917
    Als wir vor 5 Jahren mit dem Linienbus in Tihuana über die Grenze sind, waren die Beamten nur wegen einem Schreibfehler im Formular pingelig. Ansonsten haben wir die Einreisegebühr bezahlt, das Gepäck wurde durchleuchtet und schon waren wir in Mexiko.

    Was war denn das für ein Fusel im Kanister? Tequila gibt es doch in jedem Supermarkt sehr günstig. Warum also einen Kaninster kaufen und umfüllen ? Hat der Biker etwa schwäbische oder schottische Wurzeln?

    Fragen über Fragen ... Ich bin gespannt, wie es weitergeht.
    Liebe Grüße

    Ilona

    "Man muss viel laufen. Da man, was man nicht mit dem Kleingeld von Schritten bezahlt hat, nicht gesehen hat" (Erich Kästner)


  18. #58
    Cheeseburger in Paradise Avatar von Chris
    Registriert seit
    26.12.12
    Beiträge
    986
    Zitat Zitat von Ilona Beitrag anzeigen
    Was war denn das für ein Fusel im Kanister? Tequila gibt es doch in jedem Supermarkt sehr günstig. Warum also einen Kaninster kaufen und umfüllen ? Hat der Biker etwa schwäbische oder schottische Wurzeln?
    ich kenne nicht seine Beweggruende - aber ich kenne es zumindest aus Mexico, Brasilien, Kolumbien, Equador oder Venezuela dass man lokalen Stoff (ob nun Tequilla oder Cachaça) in Kanistern kauft ...

  19. #59
    Cheeseburger in Paradise Avatar von Chris
    Registriert seit
    26.12.12
    Beiträge
    986
    Casa Gloria

    Durch die Strassen von Ojinaga ging es unter peinlich genauer Einhaltung der örtlichen Geschwindigkeitsbegrenzung. Als Fremder fällt man auf und muss die milderne Wirkung des Rot-Kreuz-Aufklebers nicht gleich in der ersten halben Stunde ausprobieren.

    Tricky genug war es ja schon ... die Geschwindigkeitsbegrenzungen in Mexico – wie auch anderswo – ist in Kilometer pro Stunde angegeben, aber die Vorhut hatte die ausgeschilderten 40 km/h relativ korrekt umgesetzt und es ging innerorts von Ojinaga gesittet zu.
    Man hat auf den ‘Metric Bikes‘ - wie die Harley Gemeinschaft andere Marken leicht verächtlich nennt - oft eine zweite Skala oder Umschaltknopf für Geschwindigkeit in km/h. Mit 25 Meilen pro Stunde schlichen wir durch den Ort. Wurden dabei natürlich vom lokalen Verkehr rechts und links überholt ... .

    Nach dem Ortsausgangsschild auf der Carretera Federal gings dann schon etwas zügiger zu – wie hoch ist die Geschwindigkeitsbegrenzung in Mexico noch gleich auf diesen Landstrassen ...?

    Am Abzweig nach Benavides hatte das gute Benehmen ein eindeutiges Ende; 80 km/h zeigten die Schilder aber alle drehten auf ... . Benavides liegt am Ende einer 56 km langen Sackgasse.
    Die Arbeitshypothese der Truppe war dass die federale Polizei dort nicht einfährt. Der Ort selbst wird von einer anderen Organisation kontrolliert – aber das ist wieder ein K-Wort ... .

    Also alle drehten auf ... . Ich hab auch mal am Gas gedreht, aber da wurde deutlich wieso mein Mopped als zu klein und langsam empfunden wurde ... . Flach liegend, Drehzahl nahe der roten Linie zeigte der Tacho eine Zeigerbreite über 85 ... Meilen pro Stunde ... der Einzylinder brüllte und die Räder eierten ... aber die Tachonadel arbeitete sich tapfer auf die 90 Meilen Marke zu. Mein Abstand zum Feld wurde trotzdem immer grösser bis am Ende alle am vorderen Horizont verschwanden ... .

    Nun gut, Benavides ist als einziger Ort an der Strasse vermutlich nicht zu verfehlen und nach Casa Gloria kann ich dann noch im Ort fragen. Intonations-Frage hiess das glaub ich im Sprachunterricht ... ¿Caßah Gloohriah ? ... wird schon klappen ...

    Da kann ich auch gleich mal anhalten und ein Bild vom Eingangsschild des Parque National Cañon de Santa Elena machen; denn auch auf der mexikanischen Seite des Rio Grandes ist Natur Park.




    Interesant, dass das Begrüssungschild ein Foto vom Elena Canyon zeigt, welches eindeutig von der USA Seite aufgenommen war. Vielleicht ist der Canyon von der amerikanischen Seite aus einfacher zu erreichen? Wir werden sehen ... .

    Unterwegs konnte ich dann noch einen Teil der Truppe einholen, da es einen Plattfuß gab. Da musste ein Hinterreifen gestopft werden mit einem Plug. Gut wenn man schlauchlose Reifen hat ... . Apropos – sieht so aus dass mein Mopped und eine weitere Honda die einzigen mit Schlauchreifen sind. Hoffentlich kennt sich da jemand im Fall des Falles mit aus ... ich muss gestehen dass ich das im Feld nicht selbst reparieren kann. Echt peinlich!

    Casa Gloria war schnell gefunden. Das Anwesen bestand aus einem Haupthaus und einer Handvoll Bungalows rund drum. Die meisten hatten sich schon in den Bungalows breit gemacht aber ich bin eh eher der Haupthaus-Typ, passt also gut.
    Da bin ich auch näher an der Küche, wo morgens und abends Köstliches zubereitet wird.






    mi Habitación

    Auf der Veranda des Haupthauses war schon angerichtet:




    Ha ...! Nicht nur näher an der Küche, sondern auch näher an den Abendaktivitäten und den Margaritas. Perfekt! Ich bin eh immer der letzte der zu Bett geht ...

    Durchs Anwesen führte auch noch ein Aquadukt, der ... hab jetzt vergessen wann genau der angelegt wurde, aber ist schon eine Weile her.


    ¡idílico!



    Katzenbilder gehen immer ...



    Moppeds vorm Haupthaus...

    Da gabs also die ersten Margaritas schon satt vor Sonnenuntergang und Gloria hatte 4 Küchenfeen angeheuert, die für uns köstlichst gekocht haben ... . Nicht unbedingt pünktlich – aber köstlich!
    Inzwischen flossen die Margaritas und das mexikanische Bier in Strömen ... . Zeit genug drüber zu grübeln wer diese schwedische Familie sei, die mich angeblich kennen soll ... .

    Ausserdem war da noch Javier, Glorias Neffe. Der war sozusagen unser ‘Handler‘ vor Ort, ... er kennt alles und jeden – auch die örtliche Polizei und das Kartell. Da kann jetzt nichts mehr schiefgehen, ... .

    Nach dem Essen bestimmt er wir müssen noch in die örtliche Kneipe fahren um Kontakt mit der lokalen Bevölkerung zu pflegen. Also auf die Moppeds um in den Ortskern zu fahren - denn zum Laufen ist das zu weit ...




    Ähm ... damit hatte ich jetzt nicht so richtig gerechnet, da ich ja bereits einige Drinks in den Abend vorgeprescht war ... . Jetzt noch Moppedfahren? Aber kultureller Austausch mit den Locals ist angesagt.

    Alte Tradition wo man Mitgliedern der lokalen ‘Organisation‘ ein paar Drinks spendiert.

    Mit Getöse - oder zumindest halben Getöse (alles was BMWs so an Geräuschkulisse hergeben) gings in den Ort zur Bar ... welche dann aber geschlossen war ... . Na – unser Handler hat alles im Griff ... ! Kurze Beratschlagung und der Beschluss - zurück zum Casa!

    Nein – unterwegs stand Javier auf einer Kreuzung und leitete uns um zum örtlichen Getränkehandel. Dort wird heute abend getrunken:



    Der gefühlte halbe Ort hatte sich auch schon eingefunden und der kulturelle Austausch konnte beginnen. Mit Händen und Füssen, Broken Englisch und Bröckchen Spanish wurde es ein unterhaltsamer Abend und jeder hat jedem Biere gekauft. Bezahlt wurde bar in US Dollar und es gab Pesos als Wechselgeld zurück – vermutlich nicht der beste Wechselkurs.



    wieviel ist das ... ?

    Einer weiteren Tradition zufolge wird auch immer ein Bike an die Theke geholt. Da man mit alten Traditionen nicht brechen soll wurde hier zumindest ein Mopped in den Verkaufsraum gerollt:




    Zum Schluss kam auch noch der Rotopax mit dem Tequila zum Einsatz um ein paar Schlückchen anzubieten:



    der Rotopax

    Der strenge Ladenschluss für Alkoholausschank in der Provinz ist 22:00 Uhr - was bedeutet dass die ortseigene Polizei ab zehn Uhr mitgetrunken hat ... .

    die Strecke:
    https://kurv.gr/KuVrh

  20. #60
    FC-Aarau-Fan Avatar von man-of-aran
    Registriert seit
    26.12.12
    Ort
    Seon / Aargau / Schweiz
    Beiträge
    1.416
    Echt jetzt - die Polizei hat mitgetrunken?

    Was soll denn das mit dem Motorrad im Ladenlokal? Was für einen Hintergrund hat diese "Tradition"?

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •